Zerplatzte Träume

Eigentlich bin ich kein Foren-Schreiber. Aber irgendwie brauche ich jetzt mal dringen Hilfe und die Runde hier ist mir wirklich angenehm. Mein Problem: Ich habe mich verliebt. Wer mir jetzt schon gratulieren möchte, wäre voreilig: Ich habe mich in einen Mailpartner verliebt, der mir auf seinen Fotos sehr sympathisch war, mit dem ich wunderschöne Telefonate geführt habe...

Beim ersten Treffen das böse Erwachen: Die Vorstellung vom Traumprinz ist gleich mit dem Luftschloss, das ich drum herum gebaut habe, zerplatzt. Der Mann hatte wirklich nichts mit dem Traummann, wie ich ihn mir vorgestellt habe, zu tun. Bin ich so verrückt? Bin ich zu offen mit meinen Gefühlen umgegangen? Aber wie soll man das denn machen, wenn man keine Gefühle zulassen will? Ohne kann das doch auch nicht funktionieren oder? Ich traue mir seitdem selber nicht mehr. Bitte gerne ein paar hilfreiche Antworten.... Danke.

Köllegirl

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Hallo Köllegirl,

Ich kann mich gut erinnern, dass ich ähnliche Gedanken hatte, als es mir das erste Mal passierte, dass ich mich in ein virtuelles Wunschbild meines Mailpartners verliebt habe. Unnötig zu erwähnen, dass es den Mann so gar nicht gab, bzw. gibt - er hat das Treffen ja überlebt.
Er war nicht nur optisch nicht der, den ich erwartet hatte: Er war deutlich kleiner, (genauso deutlich) weniger hübsch, als seine Fotos versprachen, hatte windschiefe Zähne (deshalb gab es auch kein lachendes Foto von ihm auf seinem Profil). Auch seine Wesenszüge drifteten wesentlich von dem ab, was mir an einem Partner wichtig ist: Er hatte nicht annähernd das Rückgrat, das ich aus seinen Mails herauszulesen glaubte.
Ich staunte über mich, dass ich mich selber so hinter's Licht geführt hatte und plagte mich eine ganze Weile mit denselben Fragen herum, wie Sie es gerade tun.

Eine Zeit lang habe ich dann versucht, ohne Gefühle aufkeimen zu lassen, durch die virtuelle Welt der Partnersuchenden zu kommen. Das geht natürlich, bringt aber weder Freude noch den gewünschten Erfolg. Es kann sogar dazu führen, dass 'frau' an ihrem Mr. Right vorbeiläuft, weil kein Mann mehr weit genug herankommt um wirkliches Interesse zu wecken.

Mein Ausweg aus dieser Situation: Ich habe möglichst schnell - nach intensivem Mailkontakt und entsprechenden Telefonaten – auf ein Treffen in der realen Welt bestanden. Das verhindert die Fertigstellung von Luftschlössern, nebst passendem Prinzen. Andernfalls wird der reale Mensch immer eine Enttäuschung sein. Sogar dann, wenn ER Mr. Right hätte werden können – was in diesem Fall ja mehr als verrückt wäre!!
Die Grundsteinlegung zum Luftschlossbau lässt sich – glaube ich – allerdings nie ganz vermeiden. Es geht bei dieser Suche schließlich vorrangig um Gefühle und da gerät selbst der ‚normalste‘ (was ist eigentlich normal?) in entsprechend schwierige Fahrwasser. Der Trick besteht also lediglich darin, sich in einem frühen Stadium zu treffen, wo sich das Wunschbild noch nicht verfestigt hat.
Das ist leider der einzige Ratschlag, den ich dazu geben kann.....neben den beruhigenden Worten, dass sich Niemand, der sich virtuell verliebt, für verrückt halten muss.....das passiert Jedem mal  und wer ehrlich ist, wir zugeben müssen: Es ist einfach schön – solange es dauert ...

LG Judith Alwin

 

P.S:

(Meinem Date-Partner erging es bei diesem Treffen übrigens auch nicht besser: Er hatte sich eine zarte, hilflose Blondine erdacht, der er rittergleich durchs Leben helfen konnte. Dumm nur, dass aus mir, auch bei größter Anstrengung, keine zarte Elfe mehr wird).

 

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Hallo, alle hier in diesem Forum,
Auch ich habe schon ein paar Begegnungen im virtuellen Leben gehabt, die sich dann bei einem realen Treffen ganz anders gegeben haben bzw. die sich beim e-mail Schreiben als geradezu ideale (potentielle) Partner gezeigt haben, dann aber kurz vor einem vereinbarten Treffen in Luft aufgelöst haben. Wahrscheinlich haben sie den "Kick" im Internet gebraucht, um ihre eigene armselige Realität, evtl. mit einem längst nicht mehr geliebten Partner aushalten zu können.

Zweimal habe ich mich virtuell verliebt. Nach dem ersten Kontakt hat sich zuerst ein reger Mail-Verkehr entwickelt: Beide e-mail Partner schrieben intelligente Briefe mit perfekter Rechtschreibung und Grammatik. Leider habe ich erst im Nachhinein bemerkt, dass Großteile dieser Briefe so allgemein gehalten waren, dass sie vermutlich einmal ordentlich verfasst und abgespeichert wurden (wie Bewerbungsschreiben) und so an jede x-beliebige Frau verschickt werden konnten. Lediglich ein paar kurze Versatzstücke, z.B. eine Antwort auf eine konkrete Frage von mir, waren persönlich. Auf jeden Fall war ich beide Male so begeistert von diesen Schreiben, dass ich dachte, meinen Seelenpartner gefunden zu haben.


Der erste Briefpartner hatte bei seinem Profil ein äußerst ansprechendes Foto dabei, die äußeren Angaben (Beruf, Lebensstil etc.) passten genau zu meinen Vorstellungen und die Mails ließen mich ins Träumen geraten. Nach etwa zwei Wochen trafen wir uns dann auf halber Strecke zwischen unseren Wohnorten. Ausgemacht war als Treffpunkt der Haupteingang einer bekannten Kirche. Da ich pünktlich sein wollte, war ich schon etwa eine halbe Stunde früher dort. Es war furchtbar kalt und mein Date Partner kam zehn Minuten zu spät (ohne Entschuldigung). Ich war zu diesem Zeitpunkt durch und durch gefroren und wahrscheinlich eher etwas erbärmlich anzuschauen. Nun ja, auch ich war enttäuscht. Das Bild vom Profil war offensichtlich etwa 15 Jahre alt, und ich überlegte mir, ob ich bei meiner Warterei zehn Zentimeter gewachsen war, denn der Mann, der laut Profil 1.82 Meter groß sein sollte, war gerade mal so groß wie ich. Im Cafe taute ich zwar äußerlich wieder auf, aber mein „Date“ hatte so überhaupt nichts von dem Charme seiner Briefe und ich fühlte mich zusehends gefrustet (gefrostet ;- ) ) Jedenfalls war ich froh, dass er sich nicht noch einmal mit mir verabreden wollte.


Meinen zweiten „Traumpartner“ lernte ich etwa ein halbes Jahr später im Internet kennen. Auch er schrieb wunderschöne Mails (wenn auch etwas kitschig) und ich hatte wieder die Vision vom idealen Partner. Wir telefonierten auch ein paar Mal, wieder alles perfekt: angenehme Stimme, einfühlsame und intelligente Gespräche. Nach einigen Wochen hatte ich einen Termin in einer Stadt in der Nähe seines angeblichen Wohnortes. Daher schlug ich vor, dass wir uns treffen könnten. Er meinte, unser erstes Treffen sollte etwas ganz Besonderes sein und dürfe nicht nur ein „Nebenprodukt“ eines sowieso fälligen Termins sein. Als ich ihn wieder anrufen wollte, hieß es plötzlich „kein Anschluss unter dieser Nummer“ und im Internet konnte ich keinen Kontakt mehr mit ihm aufnehmen, dass heißt, er hatte mich auf die Liste „gesperrt“ gesetzt. Nach all diesen Mails und Gesprächen fühlte ich mich einfach nur mies und ich habe mich gefragt: Warum macht jemand so etwas

Beatrix

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"Als virtuell gilt die Eigenschaft einer Sache, die nicht in der Form existiert, in der sie zu wirken scheint, aber in ihrem Wesen und ihrer Wirkung einer real existierenden Sache gleichartig ist." (Wikipedia")


Tja, und da wir Menschen mit einer Menge Fantasie ausgestattet sind, sind wir vor Projektionen nicht geschützt. Wir sehen manchmal etwas, was gar nicht da ist.

Ich meine schon, dass Bilder und Worte Auslöser dafür sein können, dass Gefühle entstehen. Irgendwie ist ja auch immer eine chemische Reaktion möglich. In die eine oder andere Richtung.
Wenn man sich im Netz kennerlernt und sich dann "draußen" verabredet, dann ist es sicher von Vorteil, vieles von dem, was man schon über den anderen weiß, wieder über Bord zu werfen, denn sonst erfüllen sich die Erwartungen möglicherweise nicht. Also den Menschen unbefangen kennen zu lernen, denn jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Und wenn man interessiert ist und zuhört, kann es ziemlich spannend werden. Daraus kann sich dann auch etwas ganz anderes entwickeln, als man vorher im Netz gedacht hat.


George